Wer in Solingen umbauen, anbauen oder die Nutzung einer Immobilie ändern möchte, braucht als Erstes eines: verwertbare Bauzeichnungen. Ohne aktuellen Grundriss, Schnitt und Ansicht im richtigen Maßstab nimmt das Bauamt Solingen einen Antrag gar nicht erst zur Prüfung an. Die gute Nachricht: Ob Sie noch alte Baupläne besitzen oder komplett bei null anfangen müssen, lässt sich innerhalb weniger Tage klären, und die Kosten für neue Bauzeichnungen liegen für ein durchschnittliches Einfamilienhaus meist im Bereich von 850,–€ bis 1.500,–€ netto, abhängig vom Aufwand für Aufmaß und Umfang der Planung.
[[bauantrag]]Was Bauzeichnungen für das Bauamt Solingen enthalten müssen
Eine Bauzeichnung ist mehr als eine hübsche Grundrissdarstellung fürs Immobilienexposé. Als Teil der Bauvorlagen nach § 70 BauO NRW 2018 unterliegt sie klaren formalen Vorgaben, die die Verordnung über bautechnische Prüfungen (BauPrüfVO) konkretisiert. Für Bauherren in Solingen bedeutet das in der Praxis:
- Maßstab 1:100 für Grundrisse, Schnitte und Ansichten als Standardvorgabe
- Vollständige Maßketten: Außenmaße, Innenmaße und Öffnungsmaße für Türen und Fenster müssen eingezeichnet sein
- Bauamtscode: Neue Bauteile werden rot, abzubrechende Bauteile gelb dargestellt, damit die Sachbearbeitung auf einen Blick erkennt, was sich ändert
- Angaben zu Brandverhalten und Feuerwiderstand der verwendeten Baustoffe und Bauteile, wo relevant
Wie detailliert Ihre Bauzeichnungen sein müssen, hängt außerdem davon ab, in welches Verfahren Ihr Vorhaben fällt. Kleinere Vorhaben bis 30 m² Grundfläche sind nach § 62 BauO NRW oft verfahrensfrei, das entbindet aber nicht davon, Abstandsflächen und Bebauungsplan einzuhalten. Größere Wohngebäude bis Gebäudeklasse 4 können seit dem 1. Januar 2024 unter bestimmten Voraussetzungen von der Genehmigungsfreistellung nach § 63 BauO NRW profitieren, sofern ein qualifizierter Bebauungsplan vorliegt. Für alle übrigen Vorhaben greift das vereinfachte Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BauO NRW, das vollständige Bauzeichnungen als Kernbestandteil des Antrags verlangt. Welche Variante für Ihr Grundstück zutrifft, lässt sich am besten im Rahmen einer Bauvoranfrage in Solingen vorab klären, bevor Zeit in die Zeichnung investiert wird.
Woher Sie Pläne für Ihr Haus in Solingen bekommen
Bevor Sie neue Bauzeichnungen beauftragen, lohnt sich die Suche nach vorhandenem Material, denn das spart Zeit und Geld. Folgende Quellen kommen infrage:
- Bauaktenarchiv der Stadt Solingen: Die untere Bauaufsichtsbehörde führt Bauakten zu genehmigten Vorhaben, oft über Jahrzehnte zurück. Ein formloser Antrag mit Adresse und Flurstücksnummer genügt in der Regel zur Anfrage.
- Eigentümer oder Voreigentümer: Insbesondere bei Immobilien, die erst kürzlich den Besitzer gewechselt haben, liegen oft noch Originalpläne oder Kopien vor.
- Ursprüngliches Architekturbüro: Wurde das Haus von einem lokalen Büro geplant, lohnt sich eine direkte Anfrage nach dem Planarchiv.
- Bestandsaufmaß vor Ort: Wenn keine verwertbaren Pläne auffindbar sind, bleibt nur die Neuaufnahme des Gebäudes durch Aufmaß.
Gerade bei älteren Solinger Häusern zeigt sich in der Praxis häufig, dass vorhandene Pläne zwar existieren, aber nicht mehr dem tatsächlichen Bauzustand entsprechen, etwa weil nachträglich Wände versetzt oder Dachgeschosse ausgebaut wurden, ohne dass dies genehmigt oder dokumentiert wurde. Für das Bauamt zählt in solchen Fällen immer der zuletzt genehmigte Planstand als Ausgangsbasis, nicht der tatsächliche Ist-Zustand. Mehr zur systematischen Beschaffung und Prüfung von Altplänen finden Sie in unserem Leitfaden zu Bestandsplänen.
[[banner-klein]]Bestandspläne aufbereiten oder neu erstellen lassen?
Diese Entscheidung hat direkten Einfluss auf Kosten und Zeitaufwand. Als Faustregel gilt:
- Aufbereitung lohnt sich, wenn ein maßstabsgerechter Plan vorliegt, der dem aktuellen genehmigten Zustand entspricht und lediglich digitalisiert, ergänzt oder um die geplante Änderung erweitert werden muss.
- Eine Neuzeichnung ist notwendig, wenn keine Pläne auffindbar sind, der Bestand erheblich vom letzten genehmigten Stand abweicht, oder wenn ein komplettes Bestandsaufmaß aufgrund von Umbauten ohnehin erforderlich wird.
- Bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine sorgfältige Bestandsaufnahme fast immer Pflicht, da die Denkmalbehörde detaillierte Angaben zum Ist-Zustand verlangt.
Handyfotos oder grob eingescannte Kopien alter Pläne reichen dem Bauamt Solingen in keinem Fall, unabhängig davon, ob Sie digital über das Serviceportal der Stadt einreichen oder klassisch in Papierform. Wer unsicher ist, welcher Weg für das eigene Vorhaben sinnvoll ist, sollte diese Frage vorab mit einem bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasser klären. Mehr zu den Aufgaben und der Rolle dieser Fachperson im Genehmigungsprozess finden Sie unter Architekt Aufgaben.
Solinger Besonderheiten: Denkmalschutz und Bergische Bauweise
Solingen zählt zu den Städten mit besonders hoher Denkmaldichte im Bergischen Land: Die städtische Denkmalliste umfasst rund 958 Baudenkmäler (Stand 2022). Wer ein solches Gebäude oder eine Immobilie in einem Denkmalbereich besitzt, sollte wissen: Die Erlaubnispflicht der Denkmalbehörde greift oft auch bei Maßnahmen, die auf den ersten Blick harmlos wirken, etwa ein Fassadenanstrich oder der Austausch der Heizung. Das gilt selbst dann, wenn die Maßnahme baurechtlich verfahrensfrei wäre.
Hinzu kommt die für die Region typische Bergische Bauweise: Fachwerkkonstruktionen mit Schieferverkleidung, deren Wandaufbau sich deutlich von modernem Massivbau unterscheidet. Bei der Bestandsaufnahme solcher Häuser braucht es entsprechende Erfahrung, um Wandstärken, Deckenkonstruktionen und historische Bauteile korrekt zu erfassen. Wer eine Sanierung oder einen Umbau an einem Bergischen Haus plant, findet dazu vertiefende Informationen in unserem Beitrag zum Architekt für Altbausanierung.
Was Bauzeichnungen in Solingen kosten
Die Kosten für die Erstellung von Bauzeichnungen richten sich nach Aufwand, Gebäudegröße und dem Zustand vorhandener Unterlagen. Als Orientierung:
- Stundensatz für Planung und Aufmaß: 85,–€ bis 120,–€ netto
- Einfamilienhaus mit Grundriss, Schnitt und Ansichten: häufig ab 850,–€ netto
- Mehrfamilienhaus oder umfangreichere Umbaumaßnahmen mit mehreren Geschossen: entsprechend höherer Aufwand, da mehrere Grundrissebenen, Schnitte und ggf. Brandschutznachweise erforderlich sind
Diese Bandbreiten sind bewusst als Spannen zu verstehen, da Faktoren wie die Zugänglichkeit des Gebäudes, das Vorhandensein brauchbarer Bestandsunterlagen und die geforderte Detailtiefe (etwa bei Nutzungsänderungen mit Brandschutzanforderungen) die Kosten im Einzelfall verschieben. Wichtig ist volle Preistransparenz von Anfang an, ohne versteckte Zusatzkosten, wenn im weiteren Verlauf ein Standsicherheitsnachweis oder statische Berechnungen hinzukommen. Details zu diesen Folgekosten finden Sie unter Statiker Kosten.
In fünf Schritten zur eingereichten Bauzeichnung
- Bestandsaufnahme klären: Prüfen, ob verwertbare Pläne beim Bauaktenarchiv, Eigentümer oder Architekturbüro vorliegen.
- Vor-Ort-Aufmaß, falls nötig: Bei fehlenden oder veralteten Plänen wird das Gebäude neu vermessen.
- Zeichnung erstellen: Grundriss, Schnitt und Ansichten im Maßstab 1:100 mit vollständigen Maßketten und Bauamtscode.
- Prüfung durch bauvorlageberechtigte Fachperson: Die Zeichnungen werden auf formale und inhaltliche Vollständigkeit geprüft, bevor sie eingereicht werden.
- Einreichung beim Bauamt Solingen: Über das Serviceportal der Stadt Solingen, wo eine digitale Antragstellung mit BundID oder Mein Unternehmenskonto möglich ist, oder klassisch in Papierform.
Bei vollständigen Unterlagen und einem Vorhaben im Geltungsbereich eines qualifizierten Bebauungsplans ist in Solingen häufig mit einer Bearbeitungszeit von rund sechs Wochen zu rechnen. Bei Planeco Building liegt die durchschnittliche Bearbeitungszeit für die Erstellung genehmigungsfähiger Unterlagen bei 14 bis 21 Tagen, wodurch sich der Gesamtprozess bis zur Einreichung deutlich verkürzt.
Typische Fehler bei Bauzeichnungen vermeiden
Die häufigste Ursache für Verzögerungen bei Bauanträgen in Solingen sind unvollständige oder formal fehlerhafte Unterlagen. Folgende Fehler lassen sich mit etwas Sorgfalt vermeiden:
- Handyfotos statt sauberer Scans: Das Bauamt benötigt maßstabsgerechte, gut lesbare PDF- oder DWG-Dateien, keine fotografierten Papierpläne.
- Veraltete Planstände: Wenn der eingereichte Plan nicht dem zuletzt genehmigten Zustand entspricht, kommt es zu Rückfragen.
- Fehlende Maßketten: Ohne vollständige Bemaßung kann die Sachbearbeitung die Einhaltung von Abstandsflächen und anderen Vorgaben nicht prüfen.
- Nur Teilbereiche eingereicht: Meist ist das komplette Gebäude gefordert, nicht nur der umgebaute Bereich.
- Denkmalrechtliche Erlaubnis übersehen: Bei Gebäuden in Solinger Denkmalbereichen wird die zusätzliche Erlaubnispflicht oft unterschätzt.
Bei Vorhaben, die eine Nutzungsänderung beinhalten, etwa wenn aus einer ehemaligen Gewerbefläche Wohnraum werden soll, wirken sich neue Grundrisse zusätzlich auf Brandschutz-, Schallschutz- und Stellplatzanforderungen aus. Mehr zum Verfahren und den erforderlichen Unterlagen finden Sie unter Nutzungsänderung. Sobald tragende Bauteile betroffen sind, etwa beim Entfernen einer Innenwand oder bei einem Dachgeschossausbau, wird zusätzlich ein Standsicherheitsnachweis erforderlich, der auf denselben Bauzeichnungen aufbaut. Wer für dieses Gewerk einen passenden Ansprechpartner sucht, findet über Statiker finden eine strukturierte Orientierung.














